Elden Ring verschoben - Machen feste Release Termine heutzutage noch Sinn?
![]() |
| Elden Ring ist nicht der erste Titel, der 2021 verschoben wurde. Bildquelle: From Software |
From Software gab bekannt, dass das heiß ersehnte Action-RPG Elden Ring, welches ursprünglich am 21. Januar 2022 erscheinen sollte, um einen Monat verschoben wurde und nun am 25. Februar 2022 erscheinen wird. Diese Meldung kam heute einigermaßen unerwartet, jedoch nicht überraschend.
Ist die Verschiebung eines Releases um ein, zwei oder sogar drei Monate wirklich ausreichend?
Fakt ist, im Jahr 2021 ist niemand überrascht, wenn der Release des Spieles, auf welches man sehnsüchtig wartet, um eine gewisse Zeit verschoben wird. Ohne groß zu überlegen, fallen mir aus den vergangenen 12 Monaten Battlefield 2042, Rainbow Six Extraction, Halo Infinite, Cyberpunk 2077, Icarus und Riders Republic ein. Jedes dieser Spiele erschien zu einem verschobenen Zeitpunkt oder wird nach einem verschobenen Release erst noch erscheinen. Elden Ring ist also keine Ausnahme, sondern durchaus ein Regelfall.
Spieleentwickler sehen es als Trend an, ein Spiel nicht zum ursprünglich festgelegten Termin zu veröffentlichen. Noch vor einigen Jahren war es nichts Außergewöhnliches, dass Spieler sich frühzeitig Urlaub nahmen, um bei dem Release eines bestimmten Spieles freizuhaben. Heute erscheint diese Vorstellung unmöglich oder zumindest nicht sonderlich intelligent. Es ist mittlerweile einfach zu wahrscheinlich, dass der Release kurzfristig verschoben wird und die Urlaubstage unwiderruflich verschwendet sind. Das sorgt für Frust und Unmut unter den Spielern und die Studios sammeln keine Pluspunkte.
Sind Verschiebungen sinnvoll oder nicht?
Dass die Verschiebung eines Spiels den vorbestellenden Spieler nicht freut, ist verständlich, doch sollten Spieler darüber vielleicht sogar froh sein? Schließlich hat jeder verschobene Release einen Grund und basiert in den meisten Fällen auf Probleme und Fehler. Irgendwas funktioniert nicht so wie es soll und das jeweilige Entwicklerteam brauch zusätzliche Zeit um das unvorhergesehene Problem zu beheben. Das ist doch besser als ein unfertiges Spiel auf den Markt zu bringen, oder nicht?
Nun ja, die Frage ist, ob die Verschiebung wirklich was bringt. Viele Spiele sind selbst drei-vier Monate nach dem Release noch nicht in dem Zustand, in dem man es veröffentlichen sollte.
Klar ist aber auch, dass ein Spiel, welches bereits um drei Monate verschoben wurde, bei dem letztendlichen Release in einem besseren Zustand ist, als es während des ursprünglichen Termins war.
Vage Zeiträume sind besser als präzise Daten
Wie sollten Studios vorgehen, wenn ein Release-Termin nicht eingehalten werden kann, eine Verschiebung die Spieler frustriert und das Spiel unter Umständen trotz aller Bemühungen fehlerhaft erscheint?
Auch hier dient Battlefield 2042 als ein aktuelles Beispiel, wie Entwickler und Publisher in der Kommunikation mit den Spielern alles falsch machte, was man falsch machen kann. Der angegebene feste Release des Spiels wurde verschoben und der Termin für den Start der Beta wurde ewig nicht bekannt gegeben, obwohl die gesamte Community mit den Hufen scharrte, während der Release des Spiels immer näher rückte. Doch es gibt einen anderen Weg, den man hätte gehen können, mit welchem die Spieler hätten leben können und mit dem zeitgleich das Studio nicht unter Zeitdruck geraten wäre.
Information is key.
Du als Studio oder Publisher hast es in der Hand, welche Informationen die Spieler erhalten und welche nicht. Du hast es in der Hand auf Leaks zu reagieren und die Informationen zu verbreiten, die verbreitet haben möchtest. Statt "der Release ist am 21. Januar 2022" empfiehlt sich "Der voraussichtliche Release ist für das erste Quartal 2021 geplant."
Ich kann als Entwickler den Spielern Informationen geben, die sie einigermaßen zufrieden stellen, ohne tatsächliche Informationen zu geben. EA und DICE hätten schon Monate vor dem Start der Beta sagen können, in welcher Phase der Entwicklung man gerade ist. Ich formuliere einfach mal einige lose Sätze (keine richtige Pressemitteilung), die grob in die Richtung von dem gehen, was EA bereits im August hätte sagen sollen.
"Die Entwicklung von Battlefield 2042 schreitet gut voran und wir begeben uns in Kürze in die finale Phase. Der Release ist weiterhin für das vierte Quartal 2021 angesetzt, doch müssen bis dahin noch X wichtige Arbeitsschritte bewerkstelligt werden. Sobald das Spiel Status Y*² erreicht hat, werden wir den Release der Beta einleiten. Diesbezüglich wird es frühzeitig weitere Informationen geben.
Da es während der Entwicklung eines Spiels jederzeit zu unvorhergesehenen Problemen kommen kann, können wir leider noch keinen exakten Termin für die Veröffentlichungen der Beta und des Spieles bekannt geben. Sobald das Spiel in den Gold-Status übergeht und die letzten technischen Test abgeschlossen sind, wird ein Termin für den Release festgelegt und mit der Community geteilt. Folgt diesbezüglich unseren Social Media Kanälen, um weiterhin die neusten Informationen zu Battlefield 2042 zu erhalten. Wir danken euch für eure Geduld und die atemberaubende Unterstützung, die uns täglich auf den sozialen Netzwerken erreicht!"
*²: Hier müsste das Entwicklerteam den Status angeben und durch "Y" ersetzen, der erreicht werden soll, ehe die Beta veröffentlicht werden kann.
Wenn man alle paar Monate - zumindest im Jahr des Releases - einige solcher Meldungen veröffentlicht, setzt man sich als Entwickler nicht selbst unter Druck und gebt den Spielern trotzdem Informationen, mit denen sie etwas anfangen können. Es ist kein perfekter Weg, aber ein Kompromiss, den wahrscheinlich viele lieber eingehen würden, als die aktuelle Situation. Man schneidet sich nicht mit festen Aussagen, die nicht realisierbar sind, in das eigene Fleisch.
Ergänzt man als Entwickler frühzeitig, dass das Build der Beta bereits final ist, dieses jedoch nicht dem finalen Build des Spieles bei Release entspricht, da man die Arbeitskräfte, welche bis dato an der Beta arbeiteten abzog, um sie bei der Entwicklung des richtigen Spieles mitwirken zu lassen, dann wirkt die Kommunikation weniger nach Schadenbegrenzung. Es wäre Monate vor dem Release der Beta klar, dass diese veraltet ist und nicht den Zustand des Spieles wiedergibt, selbst wenn die Beta noch nicht veröffentlicht wurde.
Das Fixen eines Bugs ist wie das Austauschen der untersten Karte eines Kartenhauses
Die große Diskrepanz zwischen Community und Entwickler entsteht lediglich durch schlechte Kommunikation und Frustration. Verschiebungen sind gut, da sie zeigen, dass ein Studio kein unfertiges Spiel veröffentlichen möchte, Sie zeigen, dass sich die Entwickler um ihr Werk kümmern.
Elden Ring wird definitiv nicht das letzte Spiel sein, dessen Release verschoben wurde. Solange es feste Termine gibt, während zeitgleich die Technik immer komplizierter und die Spieler immer anspruchsvoller werden, sind Release-Verschiebungen nicht vermeidbar. Menschen machen Fehler, Probleme sind nahezu immer unvorhersehbar und das Fixen von Bugs ist wie das Austauschen der untersten Karte eines Kartenhauses.
Es wird Zeit, dass wir uns von dem Gedanken verabschieden, dass ein präzise formulierter Tag für einen Release notwendig ist. Es wird Zeit, dass sich die Branche und die Community darauf einstellt, grobe Zeiträume zu formulieren, wenn die Einhaltung eines expliziten Termines zu einer hohen Wahrscheinlichkeit nicht möglich ist.



Kommentare
Kommentar veröffentlichen