Rainbow Six: Twitter-Drama zwischen E-Sportlern und Streamer
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In Rainbow herrscht Streit zwischen einem Streamer und verschiedenen Profis. Quelle: Pixabay, Ubisoft |
Dazu zählt auch etwas, das ich am heutigen ersten Juli 2021 auf Twitter sah.Das Thema ist für den Großteil der Weltbevölkerung ziemlich uninteressant und unwichtig, doch nichtsdestotrotz für mich in seiner Nebensächlichkeit relevant. Vorab leite ich kurz ein, in welchem Themenpool wir uns befinden.
Twitter als Sprachrohr der unqualifizierten Meinungsäußerung
Ich bin als Gaming Journalist sehr viel auf Twitter als stiller Leser aktiv. Twitter ist für die Branche das wichtigste Informationsbeschaffungsmedium. Wenn ein Entwicklerstudio ein Update ankündigt, wird es dort höchstwahrscheinlich zum ersten Mal angeteasert. Wenn ein E-Sportler seine sportliche Heimat wechselt und einer neuen Organisation beitritt, wird es dort verkündet.
Insbesondere die zuletzt genannten Neuigkeiten werden explizit über Twitter verbreitet. Es gibt keine großen Pressekonferenzen mit den größten Medienvertretern der Welt und die Organisationen oder Vereine besitzen selten ein größeres Sprachrohr zur Verbreitung von wichtigen Neuigkeiten als ihr jeweiliges Twitter-Profil.
Der Nachteil an Twitter ist aber auch, dass es trotz aller journalistischer Relevanz ein soziales Netzwerk ist. Man könnte sich jetzt natürlich Fragen, wieso das so schlimm sei, doch jeder der einst in gewisse Gefilde Twitters eingetaucht ist, der weiß, wovon ich spreche. Twitter ist eine Plattform des Dramas und der unqualifizierten Meinungsäußerung - ähnlich wie ich es gerade betreibe, nur ohne Einhaltung der Netiquette. Auf Deutsch gesagt könnte man meinen, dort wird gerne auf Respekt und Professionalität "geschissen".
Rainbow Six: Gaming Drama via Twitter
Bei dem von mir angesprochenen und im Verlauf dieses Textes behandelten Dramas ging es um eine Streitigkeit zwischen Spielern des Taktikshooters aus dem Hause Ubisoft "Rainbow Six Siege". Merkt euch diesen Titel, falls ihr öfters in meinem Blog hereinschauen wollt, denn das ist (leider) meine mediale Heimat. Ich bin ein No-Name in der Branche, weshalb niemanden interessiert, was ich sage, doch trotz allem schreibe ich viel und gerne über den E-Sport des Spiels. Ich schaue in Privat, verfolge die Roster-Changes der Teams und analysiere die Matches. Kurzweilig war ich sogar Coach eines Amateur-Teams.
Neben den journalistisch relevanten Themen, gibt es besonders in Rainbow Six häufig Diskussionen, die absolut unnötig sind. Häufig ist die Grundlage eines solchen Themas dermaßen irrelevant, dass man meinen könnte, hier wolle jemand Aufmerksamkeit generieren. Häufig sind es jedoch leider auch Themen, in denen Personen mit recht großer Reichweite sich menschlich daneben verhielten. Immer wieder fallen Personen beispielsweise durch Homophobe und Transphobe Äußerungen negativ auf.
Journalistisch biete ich jenen Personen keine Plattform. Ich generiere ihnen nicht die Aufmerksamkeit, die sie bezwecken. Es gibt allerdings auch Themen wie das heutige, zu denen ich mich getrost äußern kann, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben und mich zeitgleich äußern möchte, da ich das Geschehene bewerten möchte. Das sind Themen, bei denen ein Streit aus oder über solche Nichtigkeiten herausgebrochen wird, dass es sich eigentlich nicht mal lohnt, darüber zu diskutieren.
Jetzt kommt wahrscheinlich die frage auf, warum ich dann darüber schreibe. Ich möchte, wie ihr in Kürze feststellen werdet, nicht über die Thematik des Streites berichten (auch wenn ich die Situation zum allgemeinen Verständnis kurz zusammenfassen werde), sondern das meiner Meinung nach falsche Verhalten der involvierten Personen beurteilen.
Frustration bei professionellen E-Sportlern
In dem bereits erwähnten Taktikshooter Rainbow Six Siege treten fünf Spieler gegen fünf mehr oder weniger unbekannte Kontrahenten an. In dem Spiel gibt es eine Funktion, die in ihrem ursprünglichen Gedanken dafür existiert, dass wenn jemand technische Probleme hat und nicht an dem Spiel teilnehmen kann, sein Team keinen Nachteil verspürt. Wenn besagter Spieler beispielsweise die Internetverbindung verliert, kann sein Team das Match bis zu einem gewissen Punkt abbrechen, ohne Punkte zu verlieren.
Der Gedanke hinter dieser Funktion ist gut, da niemand eine halbe bis dreiviertel Stunde 4v5 spielen möchte. Man wäre in einem kompetitiven Spiel in dem Fall permanent im Nachteil. Das Gewinnen äußert sich extrem schwierig und im Falle der erwarteten Niederlage hätten die Beteiligten lediglich ihre Zeit verschwendet.
So sinnvoll jene Funktion auch erscheint, sie wird primär dafür ausgenutzt und Matches nicht spielen zu müssen, die man nicht spielen möchte. Das perfekte Beispiel dafür sind Begegnungen mit bekannten Cheatern. Für viele Spieler sind jedoch nicht nur Cheater ein Grund zum Abbrechen, sondern auch Profi-Spieler. Der Flucht-Instinkt des Menschen überwiegt in dem Fall dem des Kämpfens.
Für die Profis ist dies keine schöne Erfahrung, denn sie wollen schließlich einfach nur spielen. Wenn besagte Profis dann endlich nicht gegen Cheater spielen, wird das Match abgebrochen. Das ist verständlicherweise frustrierend. Die große Frage, die sich an diesem Punkt stellt, lautet: Rechtfertigt die aus dem Abbrechen eines Matches entfachte Frustration toxisches Verhalten?
England vs. Deutschland 2.0 - E-Sportler vs. Streamer
Kommen wir zur Thematik. Was ist geschehen? Ein mittelgroßer deutscher Streamer - ich nenne in diesem Beitrag bewusst keine Namen - wird in dem Spiel Rainbow Six Siege von seinen zufällig zugewiesenen Teamkollegen getötet. Jene Handlung soll bewusst den Spielspaß des Content Creators stören. Eine solche Handlung ist allgemein unter Griefing bekannt.
Interessant wird dies jedoch erst durch den Fakt, dass jene griefenden Teamkollegen bekannte professionelle E-Sportler aus dem vereinigten Königreich sind. An diesem Punkt wird die Beurteilung ein wenig tricky.
Wie sich herausstellt, soll besagter Streamer ein Match gegen die Profis abgebrochen haben. Dies frustrierte offensichtlich die Individuen von der großen Insel. Der betroffene Streamer stellte sie öffentlich auf Twitter zur Rede, weil er das Handeln weder verstand noch nachvollziehen konnte und erfuhr den Grund erst in den dort erhaltenen Antworten.
Er selbst beteuert, dass der erwähnte Account nicht seiner ist. Dies wurde später durch Screenshots unabhängiger Personen, die Gespräche mit dem tatsächlichen Accountinhaber führten, bestätigt. Der Streamer selbst habe jenes Match nicht abgebrochen. Die Profis behaupteten unterdessen, dass sie in seinem Stream waren und sahen, wie er das Match verließ. Der Streamer stellte dies als Lüge dar. Außerdem postete er Videoclips, auf denen man das sogenannte "Teamkillen" der Profis sah.
Sie selbst konnten mit ihren dargelegten Beweisen wenig überzeugen. Ein Screenshot des Accounts, der das Match mit dem Zweck des Abbrechens verließ, steht der Behauptung gegenüber, dass jener Account nicht dem Streamer zuzuordnen ist. Ein angefügter Clip waren ebenfalls nicht sonderlich Aussagekräftig. Der Streamer "gestand" in dem Clip zwar, dass er ein Match abgebrochen hat, doch es nicht das Match war, welches auf dem Screenshot (mit dem scheinbar falsch zugeordneten Account) zu sehen ist. Das von ihm zugegebener Maßen abgebrochene Match, in dem die involvierten Profis teilweise anwesend waren, sei dem deutschen Streamer nach zu urteilen ein ihm bekannter Cheater gewesen.
Es steht Aussage gegen Aussage. Von außen betrachtet liegen lediglich einige Missverständnisse vor. Es ist schwierig zu beurteilen, wer recht hat und wer nicht oder ob nicht einfach beide Parteien aneinander vorbeireden.
E-Sportler vereinigen sich für kollektives Mobbing
Für mich persönlich ist es äußerst irrelevant ob der Streamer das Match abgebrochen hat oder nicht. Bei all der Leidenschaft für das Gaming ist und bleibt es ein Spiel. Spiele sollen unterhalten. Warum versuche ich jemanden den Spielspaß zu vermiesen? Das ist für mich ein absolutes No-Go. Selbst wenn mein Gegenüber mir zuvor den Spielspaß nahm und bei mir Frustration auslöste, schneide ich nicht in dieselbe Kerbe. Es liegt an mir, mich besser zu verhalten als er es (in diesem Fall möglicherweise) tat.
Ich mache das Fehlverhalten anhand eines Beispieles fest:
Grundschullehrerin: "Max, warum hast du Marvin gehauen/ geärgert?"
Max: "Der Marvin hat mich zuerst gehauen/ geärgert."
Was möchte ich mit diesem Beispiel sagen?
Meine These lautet, dass es kindisch ist, wenn ein erwachsener Mann sein Fehlverhalten damit rechtfertigt, dass sein gegenüber sich zuerst falsch verhalten hat. Ich weiß nicht wie ihr das seht, aber einen solchen Gesprächsverlauf erlebte ich zuletzt im Grundschulalter. Selbst wenn der deutsche Streamer das Match abgebrochen haben sollte, was zu diesem Zeitpunkt anhand der vorgebrachten mangelhaften Beweise, weiterhin fragwürdig ist, rechtfertigt das nicht, ihm ebenfalls den Spielspaß zu versauen.
Das wäre der Zeitpunkt gewesen, Größe zu zeigen. Doch die professionellen E-Sportler aus dem vereinigten Königreich verschenkten diese Möglichkeit. Menschlich schossen sie weiter am Ziel vorbei, als Thomas Müller im EM-Achtelfinale gegen England. Das schlimmste ist allerdings, dass sie sich während dieser ganzen Thematik zu einem Kollektiv versammelten, die Twitter-Diskussion nutzen und gemeinsam auf den Streamer eintraten.
Unabhängig davon wie die Fakten lagen, was bewiesen werden konnte und was nicht, wer in dem Match anwesend war sowie wer den Stream des deutschen Content Creators tatsächlich sah, es versammelten sich immer mehr bekannte Gesichter der Szene - durchweg im Vereinigten Königreich ansässig - und versuchten den Streamer zu diffamieren.
Bewusstes schädigen der öffentlichen Wahrnehmung
Personen mit zig tausenden Followern (gerundete Followerzahlen: 50.000, 1.500, 6.300, 1.600, 9.800) behaupteten auf Twitter Dinge, die sie als Rechtfertigung einer innerhalb des Spieles getätigten Handlung ausgaben oder konfrontieren ihn mit unbewiesenen Anschuldigungen. Wenn man bedenkt, dass der beteiligte Deutsche als Streamer eine Person des öffentlichen Lebens ist und diese unbewiesenen Anschuldigungen seinen Ruf sowie seine Reputation innerhalb der Szene, in der er als Streamer aktiv ist, schädigen (können), dann ist das plötzlich keine unwichtige Diskussion mehr.
Wenn man bedenkt, dass der junge Mann sich versucht eine Karriere aufzubauen, dann muss man meiner Meinung nach einfach anerkennen, dass hier Grenzen überschritten wurden. Es wird gezielt versucht dem Streamer bzw. seiner öffentlichen Wahrnehmung zu schaden und dabei wird bewusst auf die Folgen geschissen.
Keine der beteiligten Personen denkt daran, ob sie der Karriere des Streamers schaden und - das ist sogar viel wichtiger - ob jene Anschuldigungen, der damit verbundene bzw. der dadurch ausgelöste Stress oder möglicherweise ausgelöste Existenzängste seiner psychischen Verfassung schaden. Du weißt nicht wie ein fremder Mensch tickt, was er denkt oder fühlt. Warum muss man dann mit drei, vier, fünf, sechs oder was weiß ich wie vielen Personen verbal auf ihn eintreten?
Ein Fall von Verleumdung?
Das ist meiner Meinung nach einfach ein äußerst schlechtes Verhalten. Versteht mich nicht falsch, das wäre es auch, wenn die beteiligten Personen keine tausenden Follower hätten. Doch sie haben diese Reichweite und das macht es umso schlimmer. Das ist übrigens auch rechtlich der Fall. Wenn ich eine Rufschädigung begehe, wird das Strafmaß davon beeinflusst, ob dies öffentlich oder nicht-öffentlich getan wurde. Jener Umstand ist in dieser expliziten Situation wohl eindeutig.
Sollte der deutsche Streamer damit vor Gericht gehen, hängt das ganze zumindest nach deutschem recht unter anderem davon ab, ob die beteiligten Personen jene Behauptungen wider besseren Wissens (Verleumdung) tätigten oder nicht.
Mein Fazit der ganzen Thematik ist jedoch: Tragt eure Streitigkeiten bitte nicht öffentlich via Twitter oder ähnlichem aus! Dabei kommt niemand gut weg! Ihr schadet euch, ihr schadet eurem Gegenüber und von außen betrachtet wirkt das ganze immer äußerst unnötig und peinlich.

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